Leinsamen ein Wundermittel oder gefährlicher Futterzusatz für Pferde?

Leinsamen ein Wundermittel oder gefährlicher Futterzusatz für Pferde?

Leinsamen als Superfood für Pferde

Leinsamen sind kleine braune Samen, die durch ihre Vielfalt an wertvollen Inhaltsstoffen mit positiver Auswirkung auf Fell, Haut, Verdauung und Immunsystem als Superfood gelten. Besonders ist der hohe Gehalt an Fett, der bei Leinsamen über 40% liegt. Das Fett wiederum besteht wiederum zu 80-90% aus ungesättigten Fettsäuren. Die enthalten Alpha-Linolensäure (40-60%) wird im Pferdekörper zum Teil in Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexensäure (DHA) umgewandelt. Die gebildete Eicosapentaensäure (EPA) ist wiederum grundlegend für die Bildung des Hormons Prostaglandin 3, welches eine entzündungshemmende Wirkung hat.

Aber auch Eiweiß ist in den kleinen Samen vorhanden und setzt sich vor allem aus den essentiellen Aminosäuren Lysin, Threonin, Tryptophan zusammen. Nebenbei enthält Leinsamen auch Selen, Vitamine, Nicotin-, Fol- und Pantothensäure.

Jeder der Leinsamen schon mal aufgekocht hat, weiß aber auch, dass Leinsamen einen besonders hohen Schleimgehalt aufweisen. Durch diesen Schleimgehalt werden Leinsamen auch gerne bei Magen- und Darmproblemen eingesetzt. Die enthaltenen Schleimstoffe können nämlich die Schleimhaut von Magen und Darm schützen bzw. unterstützen. Der Schutz des Darms ist vor allem im Dünndarm gegeben, Da der Leinsamen aber bereits im Dünndarm verdaut wird, ist die bindenden Wirkung von Wasser im Dickdarm nicht mehr gegeben.

Bist du unsicher ob du deinem Pferd Leinsamen füttern solltest?

Im Rahmen unseres Ernährungsplans erstellen wir eine individuelle Futtermischung für dein Pferd, die all seine Bedürfnisse berücksichtigt. Wir können dir genau sagen, welche Rohstoffe für die Gesundheit deines Pferdes förderlich sind und worauf du besser verzichten solltest.

Mehr zum Ernährungsplan

Blausäure was nun?

Neben all diesen tollen Eigenschaften sind im Leinsamen allerdings auch blausäurehaltige Glykoside enthalten. Aber wie funktioniert das mit der Blausäure? Blausäure ist in Linamarin enthalten und wird in feuchtem Milieu durch das Enzym LInase abgespaltet und dadurch stoßweise freigegeben. Das ist der Prozess, vor dem wir eigentlich alle Sorge haben. Das Abkochen wird empfohlen, weil dadurch das Enzym Linase inaktiviert wird und eine stoßweise Freisetzung verhindert wird.

Da Leinsamen auf ein Gramm etwa 0,2 mg Blausäure enthält, und für ein adultes Pferd etwa 4 mg Blausäure auf je 1 kg Lebendmasse als tödlich gelten, müsste ein ausgewachsenes Pferd mehrere kg Leinsamen zu sich nehmen. Da dies völlig unrealistische Futtermengen an Leinsamen sind, sollte man bei der Fütterung von ganzem Leinsamen also nicht allzu große Angst haben. Selbst Prof. Dr. med. vet. Manfred Coenen empfiehlt in seinem Buch von 100-120 g ungekochten Leinsamen bei einem adulten Pferd.

In welcher Form soll Leinsamen gefüttert werden?

Wie bereits erwähnt entweder ungekocht, geschrotet oder abgekocht. Bei ungekochter Verfütterung sollte man bedenken, dass bei unzureichendem Kauvorgang die Samen eventuell nicht zermahlen werden und nicht gänzlich verdaut werden können, wodurch wertvolle Inhaltstoffe verloren gehen. Allerdings ist dies in der Regel bei erwachsenen Pferden, eingemischt in das normale Krippenfutter meist kein Problem. Setzt man die Samen in geschroteter Form ein, sollte man bedenken, dass das enthaltene Öl sehr rasch ranzig und damit ungenießbar wird. Daher sollte Leinsamen am besten frisch geschrotet werden, und wenn geschrotet kühl und trocken gelagert werden. Abgekocht, sollte der Leinsamen erst abkühlen, bevor er unter das Futter gemischt wird, weil sonst Verbrühungsgefahr besteht. Neben der Verfütterung des Samens an sich bietet sich auch die Fütterung von Leinöl und Leinsaatrückständen aus der Ölgewinnung wie Leinkuchen bzw. Leinextraktionsschrot entscheidende Vorteile für unsere Pferde.

Wie viel Leinsamen darf mein Pferd täglich fressen?

Die passende Menge hängt vom Körpergewicht und der Nutzung deines Pferdes ab. Als grobe Orientierung für ganze, geschrotete oder abgekochte Leinsamen:

Pferdegewicht Freizeitpferd Sportpferd / erhöhter Bedarf
ca. 400 kg (Pony/Kleinpferd) 50-70 g/Tag 70-100 g/Tag
ca. 500-600 kg (Warmblut) 80-100 g/Tag 100-120 g/Tag
ca. 700+ kg (Kaltblut) 100-130 g/Tag 130-150 g/Tag

Steige bei der Umstellung langsam ein und beobachte, wie dein Pferd reagiert. Bei individuellen Fragen zur genauen Dosierung hilft dir unsere Futterberatung weiter.

Leinsamen, Leinöl oder Leinkuchen – was ist der Unterschied?

Leinsamen (ganz/geschrotet) Leinöl Leinkuchen / Leinextraktionsschrot
Was ist es? Der ganze Samen, roh oder abgekocht Ausgepresstes Fett aus dem Samen Presskuchen, der nach der Ölgewinnung übrig bleibt
Vorteil Enthält zusätzlich Schleimstoffe und Eiweiß, unterstützt die Verdauung Konzentrierte Energie- und Fettsäurequelle ohne zusätzliche Stärke Eiweißreich bei reduziertem Fettgehalt
Typischer Einsatz Fellwechsel, Verdauung, Magengeschwüre Zusätzliche Energie ohne Stärkezufuhr Muskelaufbau, Eiweißergänzung

Hast du noch Fragen zur bedarfsgerechten Fütterung deines Pferdes?

Wir haben uns auf die individuelle Pferdefütterung spezialisiert und stehen dir gerne beratend zur Seite.

Häufige Fragen zu Leinsamen beim Pferd

Wie viel Leinsamen pro Tag?

Je nach Gewicht und Nutzung deines Pferdes sind 50-150 g Leinsamen pro Tag üblich – bei Sportpferden und höherem Bedarf auch etwas mehr. Steige langsam in die Fütterung ein.

Leinsamen roh oder gekocht?

Beides ist möglich. Abkochen inaktiviert das Enzym Linase und verhindert eine stoßweise Freisetzung der enthaltenen Blausäure, ist aber bei den üblichen Fütterungsmengen kein Muss. Geschroteter Leinsamen sollte frisch verarbeitet und kühl, trocken gelagert werden, da das Öl sonst schnell ranzig wird.

Zusammengefasst können wir die Fütterung von Leinsamen durchwegs empfehlen. Es ist eine sinnvolle Ergänzung am Futterplan und kann besonders während des Fellwechsels, bei Magengeschwüren und Kolikpatienten seine positiven Eigenschaften zeigen. Die Fütterung von Leinöl, macht aber vor allem auch dann Sinn, wenn zusätzliche Energie benötigt wird, aber keine zusätzliche Stärke zugeführt werden soll. Aber das ist dann wieder ein neues Thema für unseren Blog…

(Quelle: „Pferdefütterung“, 2014, Coenen, Meyer, S. 137-138; Moderne Pferde Fütterung, Weyrauch-Wiegand, 2011, S. 61)

Noch Fragen?

Gerne beantworten wir dir deine individuellen Fragen in einem unverbindlichen Info-Gespräch.

Jetzt Info-Gespräch buchen